Ortfried Engler Echo

 

Der Lichthof als Piazza
Ortfried Engler zeigt im Rathaus Vaterstetten
Bilder, Objekte und Installationen – Kunst mit Problembewusstsein.


Einladungskarte VaterstettenVaterstetten – Kunst war sein fünftes Fach. In seinen langen Jahren als Lehrer für Deutsch, Geschichte, Geografie und Umwelt hat sie mitgespielt, bei Aktionen und Ausstellungen mit den Schülerinnen am Mädchengymnasium – und umgekehrt war es nicht anders.
Geschichte, Politik, Gesellschaft, eine "gewisse Problemorientierung" seien stets Teil seiner Kunst, sagt Ortfried Engler.
Denn er ist ein Mann, der die Bezeichnung "Alt-68er" nicht als Mitleidsbekundung auffasst, sondern sie stolz entgegennimmt wie einen unsichtbaren Orden.

Für den Erhalt der Umwelt und gegen Autobahnen hat der 67-Jährige gekämpft, für Tempo 30 und gegen Mobilfunk. Und das auch mit künstlerisch-performativen Mitteln, denn Protest braucht Klamauk, sagt er. Ein "Strahlenverhüterli" auf der Antenne erregt nun einmal mehr Aufmerksamkeit als ein beliebiges Flugblatt.

Vergleichsweise still wirkt daneben der Titel der Ausstellung, die der Pasinger – unter anderem arbeitet er mit den Künstlern des Münchner Seerosenkreises zusammen – am Dienstag im Rathaus Vaterstetten eröffnet. "Hauptwege und Nebenwege" hat er die Schau genannt, für die er den Lichthof zur "Piazza" mit Bildern, Objekten und Installation gestalten will, mit einem Überblick über das ganze Spektrum seines künstlerischen Tuns und Treibens. Ölbilder, trunken von leuchtender Farbe, Bilder, die sich auf den 11. September 2001 beziehen, oder "Warten auf Godot" heißen, daneben aber auch die Werke mit schwarzem Fineliner, für die der Maler bekannt ist: Nach der Vorlage eigener Fotografien "erwachsen" diese Zeichnungen regelrecht aus winzigen schwarzen Strichen. Die von fern so abstrakt wirkenden Schwarz-Weiß-Bilder haben bei genauem Hinsehen eine Struktur, so organisch wie die Fasern einer Baumrinde.

Aus der Distanz trügt auch die Installation "Lebenswege". Einzelne Schuhe balancieren anmutig auf den Spitzen dünner Stäbe. Hübsch bunt sieht das aus, bohrten sich die Metallspitzen nicht auch durch die Sohlen von Kinderschuhen, "denn die Kinder baden aus, was wir mit der Welt machen", so Engler. Eine Anordnung von vier Stöckelschuhen hat er "Gebundene Füße" genannt, in durchaus polemischer Anspielung auf die Verkrüppelung von Frauenfüßen im alten China. Hauptstück der Ausstellung aber soll eine Säule mit vier verschieden gestalteten Seiten sein. Nur scheinbar paradoxerweise hat der Umweltschützer Engler sie alle mit schwarzem Teer verschmiert. Denn natürlich hat das nicht nur ästhetische Gründe – die "Faszination des spiegelnden Materials", sondern auch einen politischen Nebensinn.

Eine stürzende Taube, die Rinde einer gefällten Birke, die goldenen Sprossen einer Karriereleiter, an denen sich verzweifelte Figürchen hinauf hangeln, einen Stapel abgesägter Bücher, die niemand lesen wollte, hat der Künstler darauf angebracht. Und ein Bild mit Rosen. Das übrigens, bemerkt er, sei auch einzeln zu haben.
(Lena Grundhuber 6.9.2010 SZ)


Kunstprojekt – Wege der Erinnerung

Kunstprojekt - Wege der ErinnerungRhythmisch schwingende Schuhe, die auf einer Stange drapiert sind, verweisen auf verschiedene "Lebenswege". Jedes Objekt korrespondiert mit der zeitgeschichtlich bedeutenden Umgebung des ehemaligen Zwangsarbeiter-Lagers an der Ehrenbürgstraße (in München-Aubing). Ob abgetragene Latschen oder edelste Treter, Schuhe stehen in Bezug zu dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Heute werden die Räume in Aubing für Ausstellungen verschiedener Künstler genutzt, die auf Initiative des "Ateliers und Werkstätten Ehrenbürgstraße e.V." organisiert werden. Am Samstag, 8.Mai, 16 Uhr, eröffnet der "Kunstweg", ein Rundgang über das Gelände mit Skulpturen, Objekten und Installationen von 19 Künstlern. Zum tausendsten Jubiläum von Aubing soll die Geschichte des Ortes ins Licht gerückt werden. (…)
(ASWE 7.5.2010 SZ Extra)


Bilder von Ortfried Engler im Pasinger Rathaus

Einladung Pasinger RathausIm Pasinger Rathaus findet auf Initiative der Vereine Kulturforum München-West und Pasinger Mariensäule die Ausstellung "Wandlungen" mit Werken von Ortfried Engler statt.

In der umfangreichen Schau korrespondieren farbintensive, eher in sich ruhende Ölbilder der letzten Jahre mit nicht minder farbgesättigten dynamischen Arbeiten in einer sehr eigenwilligen Technik mit Teer und Wachs aus den 80er Jahren. Der Titel von zwei Zeichnungen "Konturenerosion" erfasst als formale und inhaltliche Leitlinie einen wesentlichen Aspekt der künstlerischen Arbeit von Ortfried Engler. Klares, Eindeutiges und damit Offenkundiges gibt es, unabhängig von Technik und Entstehenszeit, in seinen Bildern kaum.
(14.11.2007 WS)


Letzte Aktualisierung: Oktober 2013 • StartseiteKontakt© 2011 Natalie Seiffert